Vier Tage unterwegs im wilden Gefilde der Kommunikatze

Es kamen einmal für ein viertägiges Sprachereignis im cojcland wagemutige freiwillige deutsche und tschechische junge Menschen in Cham zusammen. Sie wollten einander kennenlernen, da sie dachten, sie verstünden einander wenig, sehr wenig sogar. Das Gegenteil war der Fall, und bald schon zeigten sich erste Anzeichen davon: So stellte sich etwa bald heraus, dass Geflügelte Wörter, pantomimisch umgesetzt, oft in beiden Sprachen gleich oder ähnlich sind. Hier ein kurzer Erlebnisbericht.

Die Kommunikatze hatte einige herausfordernde Aufgaben für sie bereitgestellt, trauen musste sich jeder selber: Dabei gestaltete sich bereits die allererste Übung – die andere Gruppe mit einem Klang zu begrüßen – als kommunikative Hürde, die es zu überwinden galt: Wie nochmal begrüße ich jemanden ohne Worte? Ohne dass es peinlich ist und die Stille zu laut oder die Zeichen zu ungewohnt? Wie erzähle ich bloß dem Anderen von meinem Tag, allein mit Klängen? Dabei standen Tschechen und Deutsche gleichermaßen die jeweils andere Sprache zur Verfügung.

Die zweite Challenge bestand in der Erprobung von Experimenten im Naturraum des Hotelgartens. Welche Lücken entstehen, wenn sich die Gruppe bewegt? Was passiert gerade um dich herum? Unkonventionelle Kommunikationslösungen mussten dafür gefunden werden!

Die Kommunikatze bestand auch darauf, die Krallen für erfolgreiches Kommunikationsverhalten lösgelöst von den als fremd erscheinenden

anderssprachigen Mitspielern zu schärfen: Genannt 'dáme dojč' und Check Czech', boten jeweils eigene Spielräume für die jungen Katzen und Kater im wilden Sprachenspiel und den optimalen Platz um sich in Ruhe erst einmal vertraut zu machen mit den Strukturen der für einige ganz neuen, für viele aber entweder schwer zugänglichen oder ungewohnten Sprache: Draza und ihre Assistentin Martina sowie Joseph und sein Assistent Johannes betreuten diese Phase im Kursablauf. Neben typischen Spielen wie „Jak se máš?“ gab es auch Lieder sowie eine Exkursion in die Stadt Cham sowie dem nicht weit entfernten Domázlice. Letzteres war wirklich ein Erlebnis. Einer der Höhepunkte der Aktion war der Besuch des Turms über Domazlice! Die Besteigung des Turmes geriet zu einer Herausforderung, da dieser nicht nur mit 59 cm Abneigung etwas schief war, sondern die insgesamt 194 Treppenstufen steiler als manche Bergwand waren.

Daneben gab es auch die Möglichkeit, die Stadt selbst zu erkunden. Ausgangspunkt war der langgezogene Stadtplatz mit seinen alten, seit 1975 unter Denkmalschutz stehenden Bürgerhäusern. Weiter gingen wir durch das große Untere Tor. Wir kehrten am Muzeum Jindricha Jindricha, zu deutsch: Heinnrich-Heinrich-Museum (ja, er hieß tatsächlich so!) um, wo uns ein großes Denkmal aus dem Jahre 1924 auffiel. Auf dem Rückweg durften dann die kulinarischen Genüsse, darunter auch der Besuch einer original tschechischen Bäckerei, nicht fehlen.

Am Abend zeigten wir der anderen Gruppenhälfte unsere Erlebnisse in szenischer Form, indem wir unsere Höhepunkte in Schlüsselworte verdichteten und gestisch in Bewegung Ausschnitte unseres Rundganges darstellten.

Der Tagesablauf war gut durchgetaktet: Von früh bis abend ging es in der Kommunikatze mit der Sprache zur Sache. Zu Beginn gab es es ein Morgentraining, welches garantiert jede Katze und jeden Kater zu wecken vermochte. Martina hat uns die Waldtiermassage gezeigt, Johannes das Tier in uns geweckt!

Beim Essen gab es immer neue Zusammensetzungen: Kleine Fähnchen mit Nationalflagge und Zahl zeigten an, neben wem du sitzen sollst. Ganz angenehm, einmal vom Zufall bestimmen zu lassen, wer neben dir sitzt!

Abends kam dann der Koffer der Worte ins Spiel: Darin wurde auf Kärtchen gesammelt, was merkwürdig war. Alles konnte bedeutsam sein. Am Schluss war der Koffer rappelvoll!

Darunter waren auch Mitbringsel aus den Exkursionen zu finden: sei es „Chodovský mekáč“, der Imbiss am Stadtplatz oder „Nezvestní“, die Verschollenen vom Denkmal.

Am letzten Abend gab es die Möglichkeit, anderen aus dem Kurs an dem eigenen „Wortschatz“ teilhaben zu lassen und Wörter zu verschenken. Ich bekam „domov“, die Heimat, welch ein Geschenk!

Der theatrale Höhepunkt war allerdings, wie wir die zu einem Gericht verarbeiteten gesammelten Schmankerl vom Bauernmarkt in Form einer Kochshow den anderen aus der Gruppe schmackhaft machen konnten. So werden Vokabeln genüsslich lebendig!

Insgesamt war die Stimmung sehr gemeinschaftlich und ließ keine Sorgen aufkommen, wie auch das Wetter mit strahlendem Sonnenschein, das nur kurz von dennoch ebenso heftigen Hagel unterbrochen wurde. Mit Theater lassen sich definitiv Sprachgrenzen bewegen!

Marcus Reinert

Kommunikatze Buchstaben

Kommunikatze Verbmaschine

Kommuni-Katze und Frust-Ratze

Dieser Dialog ist während einer der Einheiten bei Čojč-Paedagogika entstanden und findet als solcher Einzug in den Čojč Blog.

A.: Die Frust-Ratze ist ein scheußliches Wesen, die auch die Keime unterschiedlicher Übel auf andere überträgt.

B.: Und zwar, woran denkst du?

A.: Lustlosigkeit, Einigelung und schließlich sogar Depression.

B.: Hast du etwa schon so was erlebt?

A.: Ja, das kann ich wohl sagen. Du strengst dich mit anderen an, du probierst alles und es will einfach nicht klappen.

B.: Was will nicht klappen und woran siehst du, dass es nicht klappt.

A.: Z.B., ich sehe, dass ich einfach nicht dazu gehöre, auch wenn ich mitmache, muss ich denken, die anderen sind schon eh besser. Und dass wissen sie alle genau.

B.: Ach ja, und dann holst du die Kumuni-Katze aus dem Sack.

A.: Genau, sie packt mit ihrer Konfron-Tatze zu und die Frust-Ratze ergreift die Flucht.

B.: Schade, dass sie nicht in Konzent-Ratze umgewandelt werden kann.

A.: Doch, das ist auch möglich. Die Komuni-Katze hat auch eine Präsen-Tatze - ohne Krallen.

B.: Ach ja, aus Frust-Ratze wird am Ende Inspi-Ratze oder sogar Integ-Ratze.

Ákos Bitter

Cojc Paedagogika 2

Cojc Paedagogika