Impression nr. 1 - Nürnberger Hundl

Da gab es so einen Hund – so nen ganz verrückten, als er reingekommen war, bellte er den ganzen Laden an und lief seinem eigenem Schwanz nach, aber ansonst war es ein ganz cooler Hund, ließ sich sogar streichen und war total toll, obwohl er ein bischen schmuddelig aussah, so ein bischen obdachlosenmäßig, würde ich sagen, aber er war kein Obdachloser, da er einem von den Luten gehörte, die dort waren, und er verstand sich auch ganz gut mit der Hana, so kam es mir vor, und die Hana war voll beschäftigt mit dem Einkaufen im Umsonstladen, wo ich auch reingekuckt habe, aber ich fand das alles da irgendwie nichts besonderes, und deswegen kaufte ich nichts, da die Bücher ziemlich alt aussahen, als wenn sie lange in einer feuchten Kammer lagen, und die Kleidung abgetragen zu sein scheinte, alles in allem wirkte das alles nicht gut auf mich, außerdem mochte ich die Idee dieses Ortes allgemein schon nicht, da diese mir zu möchte-gern-alternativ vorkam, einfach es war nichts für mich.

 

- Martin Černý Dichter, čojčländer Klassiker 

 
 
Šílené psisko,
ja der hatte echt 'nen Knall.
Z Nürnberka ein Hund.

hund

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1. Ihr könnt euch als japanische Dichter ausgeben und Haikus schreiben.
2. Ihr lernt neue Kochrezepte kennen, zum Beispiel Linsen-Möhren-Kohlrabi-Soße.
3. Ihr könnt mit Ingwertee anstoßen!
4. Ihr lernt alternative Lokale wie die Nordkurve mit dem Umsonstladen kennen.
5. Ihr könnt im Büro von DAS Ei übernachten.
6. Ihr könnt vollkommen legal Leute mit Torten bewerfen.
7. Ihr findet heraus, wie die Übertragung der kreativen Čojčpartikel durch die Luft funktioniert.
8. Ihr könnt fremde Leute verfolgen und müsst euch dabei nicht wie Psychopaten vorkommen.
9. Nirgendwo sonst schmeckt der Döner so gut wie in Nürnberg
10. Ihr bekommt das Tagesticket für die U-Bahn und könnt bis zur Endstation und wieder zurück fahren.

- Katka Morozová, Mitglied des Čojč-Theaternetzwerks

Die Turbulente Anreise / Turbulentní příjezd

Nach der Schule im Autotumult zum Bahnhof; Allein im Menschenauflauf. Ich halte Ausschau nach Martin; Ich beobachte die leeren Gesichter der Reisenden. Ein, zwei stechen mir ins Auge, doch zack und sie sind weg. Der Auflauf wird von kleinen Zügen aus den hintersten Ecken des kleinsten Orbanidums gefressen.
Lärm, Stille, Tumult, Leere.
Schweigen.
Ein Zug. Tumult, Auffuhr, Auflauf, Reisende; zack und weg.
Wo ist Martin?
Dieser Zug war wohl gegen Martinauflauf allergisch…
Ich stehe, atme, rieche, sehe … nichts.
Ich warte. Wo ist Martin?
Der nächste Auflauf: Tumult, Auffuhr, Reisende; zack und weg.
Wo ist Martin? Ich warte.
Rosalin auf der Tonspur: Ticket kaufen & kommen. Kein Geld. Wie ein nach alter Milch stinkender Heimatloser auf der Suche nach Traubenblut, suche ich Geld, ein Euro noch, dann geht’s nach Nürnberg. Geschafft.
Ein neuer Zug: Tumult, Auffuhr, Auflauf, Reisende. Mein Zug. Ich betrete ihn und nehme Platz. Dieser Zug ist voll, voll mit Stress, Unruhe, Leistungsdruck. Hier jemand lernend, dort jemand mit mobilen Rechner arbeitend.
Ich nehme Platz, will meinen Stuhl zur Insel der Ruhseeligkeit in diesem Ozean der Leistungsgesellschaft machen. Ich nehme Platz und atme, ich lasse den Sauerstoff in meine Lungenflügel strömen und atme.
Stille im Tumult.
Ein Fetzen Wasser. Blub. Noch einer. Blub. Blub.
Ein kleiner Fetzen, nur Wasser, stört mein Atmen, meine Insel. Dieser kleine Fetzen Wasser ist die Flutwelle auf meiner Insel der Ruhseeligkeit.

„Wir erreichen nun Nürnberg Hauptbahnhof.“

Jetzt bin ich der Tumult, die Auffuhr, der Auflauf, die Reisenden, die Nürnbergs Zugparkplatz überfluten. Jetzt in die Kellerzüge: mehr Stress, mehr Hektik, mehr Angriffe meiner Ruhseeligkeit.

Ab zum Ei“
Da! Im Fensterglas die Rosalin mit ihren kreativen Schülern, ich komme zu ihnen und bin am Ziel meines Reisetumults angelangt.

 

- Valentina Eimer, Mitgliederin des Čojčland Netzwerkes

 

V textu jde o můj (jako vždy) turbulentní příjezd. Původně bylo v plánu, že pojedu s Martinem, ale ten se nějak nedostavil...

Popisuji hektiku na nádraží a ve vlaku a to, ja přeci jsem dorazila.

Text bodužel nebylo možné přeložit, protože jsem si pro něj vybrala velice neobvyklý styl se spoustou vlastních vynalezených slov. A to je škoda.

Čojč meme - Teil 1 část - vaříme / kochen

meme1

Čojč haiku

Jako Cojcland'anländer cekawartenme wir auf den na Vlakzug
Cestreisenovat hodneviel von Bahnhof zu Nadrazi
Und kommen dann a nekdy doirgendwannrazime an, als wenn jako bychom wir nikdy nie gegangen nesli wären.

- Marcus Reinert

zug

Ich bin zum Bahnhof angerannt gekommen. Entweder habe ich den Zug knapp verpasst oder er kommt im nächsten Moment. Aus dem Haus daneben kommt ein Mann, um einem Hund aufzulauern.

„'Tschuldigung", frage ich, „ist der Zug schon vorbei?“
„Weiß ich nicht,“ sagt der etwa ältere Mann.
„Ja vielleicht haben Sie's gehört,“ versuche ich es noch einmal.
„Des hörst nimma,“ lautet die Antwort rasant. 

Das stimmt. Es gehört zu zu den interkulturellen Kompetenzen zu wissen, dass solche Fragen in Deutschland überflüssig sind. Die Züge „hörst nimma,“ wurde ich ja belehrt. Klar, man weiß es, wenn man darüber nachdenkt, aber es sind genau diese kleinen Angewohnheiten, die bestimmen, ob man sich auskennt, also ob man die hiesigen kulturellen Kompetenzen beherrscht. 

Im Gegensatz dazu kann man in Tschechien schwerhörig sein erkennt den Zug dennoch mit Sicherheit aus großer Entfernung. Aber was eigentlich hört man da? Wer verursacht den Krach? Rein physikalisch angesehn … da findet man die Erklärung bestimmt nicht, die Newtonische Mechanik funtioniert auf beiden Seiten der Grenze gleich. Ist der Zug oder sind die Gleise schuld?

Muss man die Grenzfälle sorgsam beobachten, um es herauszufinden? Machen deutsche Züge auf tschechischen Linien so viel Krach? Wie laut ist ein tschechischer International-Express auf deutschen Gleisen? Oder gibt es da sogar eine physikalische Anomalie? Das muss noch erforscht werden, das ist die große Aufgabe für junge Naturwissenschaftler aus dem Grenzland!

-- Martin Černý

viel Spass!

 

Fotoblog Schnitzel mit Text

@Valentina and Ronya Cojclandská Konferenz 2012 Braníčkov

Leute mit gutem Allgemeinwissen, vor allem, wenn sie im Grenzgebiet leben und sich mit der Kultur auskennen, wissen, was der Johan-Wenzel-Stamitz-Preis ist. Ich selbst habe nicht einmal gewusst, wer Johann Wenzel Stamitz war. Obwohl das eine große Lücke im Allgemeinwissen ist, vor allem, wenn man im Grenzgebiet lebt. Kurz gefasst: Das ist ein Preis, der "an die Komponistinnen und Komponisten sowie an ausübende Musiker und Musikerinnen geht, deren Werk und Wirken aus der Reflexion und im Austausch mit der deutschen Musik im östlichen Europa entstanden ist und in Affinität zur Musik der historischen deutschen Kulturlandschaften steht."

Ganz zufällig bin ich zu dem Preisverleihfestabend gekommen, da es dieses Jahr in Sokolov stattfand. Die Plakate, die aufgehängt waren, kündigten ihn als ein Smetana-Konzert an, was erstens ziemlich verwirrend war, zweitens hatte ich die Vorahnung, dass ich zum falschen Termin ins Stadttheater gekommen bin. Anstelle eines Konzerts des Symphonieorchesters aus Tepliz wurden da nämlich ewige Gratulations- und Dankesreden gehalten.

Dieses Jahr gewann den Preis Prof. Armin Rosin, der zufällig genau die angesagten Smetana-Werke mit den Musikern aus Teplitz geübt hatte und so sind die Zuschauer doch nicht kurz gekommen. Gespielt wurden drei Werke aus dem Zyklus Meine Heimat: „Šárka“, „Aus den Böhmischen Hein und Flur“ und „Blaník“. Und ich kenne mich wieder ein bisschen besser mit der Kultur im Grenzenland aus.

Martin Černý
člen sítě Čojčland

cowasjistcojc

Auf diesem einzigartigen Foto ist er festgehalten: der Určojčländer - das fehlende Glied zwischen dem Menschaffen und dem heutigen Menschen. Dies aus dem Archiv ausgegrabene Foto von 2002 zeigt eine Herde von Männchen und Weibchen - Teilnehmer des deutsch-tschechischen Theaterprojekts "Amerika", das damals von Eleanora Allerdings geleitet wurde.

Einer von ihnen blieb dem deutsch-tschechischen Theaternetzwerk treu: David Procházka (2.v.r.). Er hat inzwischen die Management-Assistenz übernommen und leitet regelmäßig Čojč-Theaterprojekte als Theaterpädagoge und Sprachanimateur. Wenn du also jetzt bei einem Čojč-Projekt mitmachst, wird sich vielleicht jemand in zehn Jahren an dich als an einen Určojčländer erinnern!

Martin Černý
Mitglied im Čojčland-Netzwerk

blog entry 13484769075686 0

Jedes Jahr um Ostern herum geistern in zivilisierten Staaten die barbarischen Osterbräuche in Tschechien durch die Medien, diese erschreckenden Berichte über Männer, die am Ostermontag alle Frauen in der Familie mit der Osterrute prügeln und dann durch das Dorf ziehen, um alle anderen Frauen genauso zu behandeln. Kein Wunder, dass die gesamte Osterfeier bei den Feministinnen nicht besonders beliebt ist.

Interessant ist, dass obwohl sich im deutsch-tschechischen Grenzgebiet die Traditionen oft vermischen, es diese auf der deutschen Seite der Grenze nicht gibt. Das sieht man sogar an der tschechischen Sprache, in der überhaupt keine Emanzipation verwurzelt ist und die trotzt die Sprachreformen im neunzehnten Jahrhundert die traditionelle Rollenverteilung beibehält.
In der tschechischer Grammatik, bei der Konjugation der Verben geht es genauso zu wie in einem traditionellem Haushalt von sagen wir so 1960, solange der Mann Fußball schaut und die Frau kocht, sind alle zufrieden. Das Männliche hat eigene Deklination und das Weibliche auch. So schauten die Männer damals 1960 Fußball (sledovali fotbal) mit i und die Frauen kochten (vařily) mit y.
Was aber passiert, wenn sich die Frauen emanzipieren und die Männer zwingen mit ihnen gemeinsam zu kochen. Dann fängt der Streit um die Dominanz im Haushalt an. Mit i oder mit y? Auf jedem Fall kann nur einen Sieger geben. Die Männer, für die es eine bittere Niederlage wäre, mit y zu kochen, setzen sich aber durch und bereiten die Speise im gleichberechtigtem Haushalt mit i zu.
Aber die tschechische Grammatik ist nicht nur in solchen Grenzfällen auf der Seite der Männer. Ein Beispiel: Da es ein viergängiges Mittagessen gibt, hilft bei der Vorbereitung auch die Tochter, genauso wie die zwei Schwestern der Ehefrau. Hier ist der Ehemann deutlich in der Unterzahl, vier zu eins. Er kann sich aber auf die grammatikalischen Regeln verlassen, die ganze große Familie kocht immer noch mit i, sodass man sieht, wer der Kopf der Familie ist.
So einseitig ist die Grammatik: im Plural in der Vergangenheit Männer immer mit i, Frauen mit y, aber gibt es in gemischten Gruppen einen einzigen Mann, gelten seine Regeln.
Das ist selbstverständlich ungerecht und reformbedürftig. Eine Möglichkeit wäre, die betroffene Verbform mit einem Schrägstrich zu schreiben, wie es man bei den gleichberechtigeren Substantiven macht, wie zum Beispiel Studenten/Innen oder Politiker/Innen. So könnte der Satz, dass die Köch/Innen kochten lauten "Kuchaři/řky vařili//y". Aber bis die Gesellschaft zu dieser politisch korrekter Variante gelingt, müssen sich die Feministen/Innen und Freunde/Innen der Emanzipation noch Mühe geben, die veralteten sprachlichen Strukturen aufzulösen.

 

Martin Černý

Blog o-zářeníIn den letzten Monaten hat sich Bayern auf einmal wieder verstärkt mit Tschechien beschäftigt. Aber nicht nur der Freistaat, sondern vor allem seine Einwohner. Normalerweise würde ich das sofort begrüßen, allerdings ist diese Art Beschäftigung wohl eher kein Grund zur Freude: Es sind vor allem Umweltschützer, die in der neueren tschechischen Geschichte nach Argumenten suchen – gegen den Ausbau des Atomkraftwerks Temelin. Die tschechische Regierung und Bevölkerung zeigte sich davon bisher eher unbeeindruckt, was den Unmut noch mehrt. Denn nachdem die schier endlose Debatte um das Abschalten der AKWs im eigenen Land beendet ist, wollten die meisten Atomkraftgegner wohl erst einmal Ruhe. Auf den Demonstrationen vor dem Regierungsbeschluss über die Abschaltungen der Atommeiler Deutschlands sah man nämlich ganze Familien, kleine Kinder, die eisenharten Profidemonstranten und Greepeaceaktivisten waren in der Unterzahl. Es ging vor allem um eins: keiner wollte oder will ein Atomkraftwerk oder ein atomares Endlager vor seiner Haustüre haben, dafür vertrauen die wenigsten der Sicherheit der Kraftwerke genug. Nach Tschernobyl war Japans großes Strahlenabenteuer nach dem Unfall im AKW Fukushima wohl der Tropfen (oder auch der Gartenschlauch), der das Fass zum Überlaufen brachte. Man kennt ja die Bilder: Panik, Hilf- und Ratlosigkeit. Wer alt genug ist, der kennt noch die Angst nach dem Super-GAU von 1986 in Tschernobyl. Strahlungsreste findet man auch in Bayern noch, in Pilzen etwa. Viele sehen Temelin als zweites Tschernobyl – gerade wegen der Nähe zur Grenze. Österreich ist nur 50, Bayern 60 Kilometer vom Kraftwerk weg. Seit Planungsbeginn gibt es Proteste aus beiden Ländern und auch aus Tschechien selbst. Wobei diese eine tendenziell bessere Meinung von Atomkraft haben als die Deutschen, man denke nur an die riesige Protestwelle gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Laut Kernphysiker und Atomkraftgegner Dalibor Strasky ist im Nachbarland dagegen der Protest gegen Atomkraft seit der Baugenehmigung des AKW Temelin 1999 fast ganz aus der Öffentlichkeit verschwunden. Und Tschernobyl hätten die meisten auch schon vergessen. Kein Wunder also, die Stimmung im Grenzgebiet nicht die beste ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Wiederstand auch auf politischer Ebene abläuft. Vor allem die Grünen wettern natürlich gegen den Ausbau, aber auch die Landesregierung ist nicht unbedingt in Hochstimmung. Es geht auch darum, dass die deutschen Proteste in Tschechien angeblich nicht ernstgenommen werden. Das Problem ist natürlich, dass die Entscheidung nicht bei Deutschland oder Österreich liegt und beide auch gar keinen Einfluss nehmen sollten. Die tschechische Regierung kann auf tschechischem Boden so viele Kernkraftwerke bauen wie sie will und kein anderer Staat kann etwas dagegen unternehmen. Aber die Nachbarschaftsbeziehung wird dadurch sicher nicht verbessert. Der Streit um Temelin ist nur ein Beispiel dafür, wie viel Arbeit noch in eine vernünftige Kommunikation gesteckt werden muss. Und wie wichtig das Image eines Landes wirklich ist. Ich kenne einige ehemalige Mitschüler, die zur Zeit gar nicht so begeistert von unseren Nachbarn sind – das ist mehr als nur ein Schritt rückwärts in der deutsch-tschechischen Beziehung. Es gäbe so viel besseres an Tschechien mit dem man sich hierzulande beschäftigen sollte.

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