Blog o-zářeníIn den letzten Monaten hat sich Bayern auf einmal wieder verstärkt mit Tschechien beschäftigt. Aber nicht nur der Freistaat, sondern vor allem seine Einwohner. Normalerweise würde ich das sofort begrüßen, allerdings ist diese Art Beschäftigung wohl eher kein Grund zur Freude: Es sind vor allem Umweltschützer, die in der neueren tschechischen Geschichte nach Argumenten suchen – gegen den Ausbau des Atomkraftwerks Temelin. Die tschechische Regierung und Bevölkerung zeigte sich davon bisher eher unbeeindruckt, was den Unmut noch mehrt. Denn nachdem die schier endlose Debatte um das Abschalten der AKWs im eigenen Land beendet ist, wollten die meisten Atomkraftgegner wohl erst einmal Ruhe. Auf den Demonstrationen vor dem Regierungsbeschluss über die Abschaltungen der Atommeiler Deutschlands sah man nämlich ganze Familien, kleine Kinder, die eisenharten Profidemonstranten und Greepeaceaktivisten waren in der Unterzahl. Es ging vor allem um eins: keiner wollte oder will ein Atomkraftwerk oder ein atomares Endlager vor seiner Haustüre haben, dafür vertrauen die wenigsten der Sicherheit der Kraftwerke genug. Nach Tschernobyl war Japans großes Strahlenabenteuer nach dem Unfall im AKW Fukushima wohl der Tropfen (oder auch der Gartenschlauch), der das Fass zum Überlaufen brachte. Man kennt ja die Bilder: Panik, Hilf- und Ratlosigkeit. Wer alt genug ist, der kennt noch die Angst nach dem Super-GAU von 1986 in Tschernobyl. Strahlungsreste findet man auch in Bayern noch, in Pilzen etwa. Viele sehen Temelin als zweites Tschernobyl – gerade wegen der Nähe zur Grenze. Österreich ist nur 50, Bayern 60 Kilometer vom Kraftwerk weg. Seit Planungsbeginn gibt es Proteste aus beiden Ländern und auch aus Tschechien selbst. Wobei diese eine tendenziell bessere Meinung von Atomkraft haben als die Deutschen, man denke nur an die riesige Protestwelle gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Laut Kernphysiker und Atomkraftgegner Dalibor Strasky ist im Nachbarland dagegen der Protest gegen Atomkraft seit der Baugenehmigung des AKW Temelin 1999 fast ganz aus der Öffentlichkeit verschwunden. Und Tschernobyl hätten die meisten auch schon vergessen. Kein Wunder also, die Stimmung im Grenzgebiet nicht die beste ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Wiederstand auch auf politischer Ebene abläuft. Vor allem die Grünen wettern natürlich gegen den Ausbau, aber auch die Landesregierung ist nicht unbedingt in Hochstimmung. Es geht auch darum, dass die deutschen Proteste in Tschechien angeblich nicht ernstgenommen werden. Das Problem ist natürlich, dass die Entscheidung nicht bei Deutschland oder Österreich liegt und beide auch gar keinen Einfluss nehmen sollten. Die tschechische Regierung kann auf tschechischem Boden so viele Kernkraftwerke bauen wie sie will und kein anderer Staat kann etwas dagegen unternehmen. Aber die Nachbarschaftsbeziehung wird dadurch sicher nicht verbessert. Der Streit um Temelin ist nur ein Beispiel dafür, wie viel Arbeit noch in eine vernünftige Kommunikation gesteckt werden muss. Und wie wichtig das Image eines Landes wirklich ist. Ich kenne einige ehemalige Mitschüler, die zur Zeit gar nicht so begeistert von unseren Nachbarn sind – das ist mehr als nur ein Schritt rückwärts in der deutsch-tschechischen Beziehung. Es gäbe so viel besseres an Tschechien mit dem man sich hierzulande beschäftigen sollte.

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