Jedes Jahr um Ostern herum geistern in zivilisierten Staaten die barbarischen Osterbräuche in Tschechien durch die Medien, diese erschreckenden Berichte über Männer, die am Ostermontag alle Frauen in der Familie mit der Osterrute prügeln und dann durch das Dorf ziehen, um alle anderen Frauen genauso zu behandeln. Kein Wunder, dass die gesamte Osterfeier bei den Feministinnen nicht besonders beliebt ist.

Interessant ist, dass obwohl sich im deutsch-tschechischen Grenzgebiet die Traditionen oft vermischen, es diese auf der deutschen Seite der Grenze nicht gibt. Das sieht man sogar an der tschechischen Sprache, in der überhaupt keine Emanzipation verwurzelt ist und die trotzt die Sprachreformen im neunzehnten Jahrhundert die traditionelle Rollenverteilung beibehält.
In der tschechischer Grammatik, bei der Konjugation der Verben geht es genauso zu wie in einem traditionellem Haushalt von sagen wir so 1960, solange der Mann Fußball schaut und die Frau kocht, sind alle zufrieden. Das Männliche hat eigene Deklination und das Weibliche auch. So schauten die Männer damals 1960 Fußball (sledovali fotbal) mit i und die Frauen kochten (vařily) mit y.
Was aber passiert, wenn sich die Frauen emanzipieren und die Männer zwingen mit ihnen gemeinsam zu kochen. Dann fängt der Streit um die Dominanz im Haushalt an. Mit i oder mit y? Auf jedem Fall kann nur einen Sieger geben. Die Männer, für die es eine bittere Niederlage wäre, mit y zu kochen, setzen sich aber durch und bereiten die Speise im gleichberechtigtem Haushalt mit i zu.
Aber die tschechische Grammatik ist nicht nur in solchen Grenzfällen auf der Seite der Männer. Ein Beispiel: Da es ein viergängiges Mittagessen gibt, hilft bei der Vorbereitung auch die Tochter, genauso wie die zwei Schwestern der Ehefrau. Hier ist der Ehemann deutlich in der Unterzahl, vier zu eins. Er kann sich aber auf die grammatikalischen Regeln verlassen, die ganze große Familie kocht immer noch mit i, sodass man sieht, wer der Kopf der Familie ist.
So einseitig ist die Grammatik: im Plural in der Vergangenheit Männer immer mit i, Frauen mit y, aber gibt es in gemischten Gruppen einen einzigen Mann, gelten seine Regeln.
Das ist selbstverständlich ungerecht und reformbedürftig. Eine Möglichkeit wäre, die betroffene Verbform mit einem Schrägstrich zu schreiben, wie es man bei den gleichberechtigeren Substantiven macht, wie zum Beispiel Studenten/Innen oder Politiker/Innen. So könnte der Satz, dass die Köch/Innen kochten lauten "Kuchaři/řky vařili//y". Aber bis die Gesellschaft zu dieser politisch korrekter Variante gelingt, müssen sich die Feministen/Innen und Freunde/Innen der Emanzipation noch Mühe geben, die veralteten sprachlichen Strukturen aufzulösen.

 

Martin Černý

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