Protokollauszüge

I.1 Was erwartet uns? (14:45 – 15:15)

  • Die Teilnehmenden sitzen im Stuhlkreis. Es liegen Gegenstände, die jeweils Sprechanlass zu Aspekten des Themas bieten, auf dem Boden im Kreis verteilt, und zwar: Eine deutsch-tschechisch zweisprachige Karte der Tschechoslowakei, das Buch „Warten auf Nachricht“ von Regina Gottschalk über die jüdische Familie Getreuer, das Buch „Wanderungen durch die verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Waldes“ von Zdenek Procházka, eine Uhr, eine Kamera sowie der Projektflyer.
  • Die Leitung stellt die Frage: „Sucht euch zu zweit einen der Gegenstände aus und beschreibt, was verbindet mich, den Gegenstand und das Projekt? Inwiefern kann dieser Gegenstand eine Antwort auf die Frage ‘Warum bin ich hier’ geben? Danach wollen wir uns im Kreis austauschen.“

I.2 Ein verschwundenes Dorf erforschen

I.2.1 Orientierung im Gelände I – Woher kommen wir? – Wohin gehen wir? (15:30 – 15:45)

  • Die Gruppe befindet sich in Rybník nad Radbuzou (deutsch: Weiher). Die Teilnehmenden bilden einen Kreis auf der  kleinen Brücke über den Fluss Radbusa mitten auf dem Feld im Tal.
  • Die Leitung stellt die Frage: „Woher kommst du?” Es wird eine imaginäre Karte auf dem Boden angenommen, die Teilnehmenden zeigen an, woher sie kommen, durch die Position dessen, wo sie sich hinstellen, gemäß den Himmelsrichtungen. Danach sprechen die Teilnehmenden ihren Ortsnamen laut. 
  • Die Leitung fragt danach, in welcher Richtung sich das Dorf Schwanenbrückl möglicherweise befindet. Die Brücke im Dorf, durch das ebenfalls die Radbusa fließt, dient als Hinweis.
  • Die Leitung beschreibt kurz den Weg und Merkmale der Landschaft inmitten des Böhmischen Waldes (Český les). Anschließend lädt sie zu einer Expedition zum Dorf Schwanenbrückl ein und die Gruppe beginnt, sich auf den Weg über die Hauptstraße zu machen.

I.2.2 Orientierung im Gelände II – Wo sind wir hier? (16:30 – 18:30)

  • Die Gruppe kommt in Schwanenbrückl an der Kreuzung an. Die Leitung liest aus dem Buch „Warten auf Nachricht“ Textstellen vor, welche charakteristisch für die Lage des Dorfes sind  und eine grobe Orientierung im Dorf ermöglichen (S. 34). Daraufhin folgt eine gemeinschaftliche Suche nach der Brücke im ehemaligen Dorf. Es führt die Gruppe, alle bleiben zueinander in Sichtweite, die Leitung beobachtet.
  • Sobald die Gruppe die Brücke gefunden hat, beginnt die Leitung an der Brücke mit dem Fortsetzen des Vorlesens, jedoch diesmal an anderer Stelle. Am Ende stellt die Leitung die Frage: „Finden wir hier Schwäne? Wo war der Teich?“ Daraufhin machen sich die Teilnehmenden in Kleingruppen auf die Suche nach Teich und Schwänen.
  • Die Teilnehmenden kehren nach einer Weile zurück und erzählen von ihrem Erlebnis. Die Leitung erklärt, dass Schwäne ein stehendes Gewässer benötigen, der Teich allerdings mittlerweile ausgelassen wurde und damit auch die Schwäne gehen mussten.
  • Die Teilnehmenden teilen sich in drei Gruppen auf. Die Leitung stellt nun die Aufgabe, das Gelände auf einer gegebenen, von der Leitung gezeichneten groben Karte einzuzeichnen, z.B: Bäume, Wiesen, mögliche weitere Wege, Besonderheiten.  Der Fokus des Zeichnens liegt dabei darauf, was aktuell zu sehen ist. Es ist grundsätzlich alles möglich und der eigenen Fantasie in Sachen Genauigkeit keine Grenzen gesetzt. Um das Gelände kennenzulernen, gehen die Teilnehmenden das Gelände in ihren drei Gruppen ab, wobei sie bestimmte Grenzbereiche am äußersten Rand des Dorfes nicht verlassen sollten, um rechtzeitig wieder zurückzukehren. 
  • Als die Teilnehmenden zurückkehren, werden sie danach gefragt, was sie gesehen haben. Sie zeigen dem Plenum ihre Karte und erklären in Gesten und Worten ihre Wahrnehmungen.

I.4 Wie ein Baum

  • Es wird ein großes Plakatpapier ausgelegt (ca. 20x80 cm), auf dem ein Baum aufgemalt ist – mit Wurzeln, Stamm, Ästen und Früchten.
  • Der Baum wird mit seinen drei Facettenbereichen beschrieben, und zwar metaphorisch: Die Wurzeln stehen für das, was ihm …., der Stamm … die Äste...
  • Die Teilnehmenden werden nun aufgefordert, den Baum als Metapher für das Projekt zu nehmen und dazu ihre eigenen Statements zu schreiben.
  • Am Ende sagt jeder einen Satz darüber, was er aufgeschrieben hat, zur Gruppe.

II.1 Sprachanimation im Wald

II.1.1 Achtsamkeitsübung – „Was sehen wir um uns herum?“ (09:15 – 09:30)

  • Die Teilnehmenden bilden einen Kreis rund um das Ortsschild Schwanenbrückl
  • Die Leitung bittet die Teilnehmenden, die Augen zu schließen, Konzentration auf sich selbst: ”Was können wir hören?” 
  • Dann öffnen die Teilnehmenden wieder die Augen, nehmen Kontakt zu den Anderen auf und werden aufgefordert, die Umgebung wahrzunehmen und sich an den gestrigen Ausflug durchs Gelände zu erinnern. „Was könnt ihr sehen?“
  • Die Teilnehmenden nennen verschiedene Eindrücke, die Leitung notiert diese auf buntem Papier. Notierte Wörter: Hügel - kopec, Wiese - louka, Bäume - stromy.
  • Die Teilnehmenden werden aufgefordert, sich in deutsch-tschechischen Paaren aufzuteilen und die Aussprache zu üben.

II.1.2 Statuengruppen von Naturerscheinungen (09:30 – 10:00)

  • Die Teilnehmenden stehen im Kreis, einer von ihnen geht in die Mitte, zeigt auf jemanden und sagt einen der zuvor gesammelten Begriffe. Deutschsprachige Teilnehmende sprechen auf tschechisch und umgekehrt.
  • Der/die Bezeichnete bildet zusammen mit den beiden ihm/ihr benachbarten eine Statuengruppe, die gemeinsam eine körperliche Form zu dem genannten Begriff bilden soll. Die gefundene Form ist von da an für den Begriff festgesetzt.
  • Es werden zu allen Wörtern Formen gefunden.
  • Wer die richtige Form vergessen hat oder sie falsch ausführt, geht als nächstes in die Mitte.

II.2 Untersuchung des Geländes in „Schwanenmostek“

II.2.1 Interaktive Führung durch Schwanenbrückl (10:00 – 10:45)

  • Führung durch das Gelände und dabei Vorlesen kurzer Texte, die Teile des Dorfes ausführlich beschreiben, von Wirtshaus am Teich vorbei zur Schule, - heutzutage weitgehend unwegsames Gelände. Die Texte sind als fiktiver Brief eines Mädchens, das hier einmal gewohnt hat, “Luise Getreuer”, verfasst.
  • Alle Teilnehmenden erhalten eine Karte des ehemaligen Dorfes, mit genauen Bezeichnungen, wo welches Haus stand, sowie einen deutsch-tschechischen Text, der den Weg zu zentralen Orten im Dorf (z.B. Das Gasthaus, Die Schule) markiert.
  • Die einzelnen Orte im Dorf werden gemeinsam gefunden, geleitet von der Beschreibung. Die Teilnehmenden suchen selbst den Weg, bekommen aber Hinweise wie: Bestimmen der Richtung, in welche sie gehen werden, Angaben der Anzahl von Schritten, die sie gehen werden, die Wahrnehmung der Umgebung mithilfe verschiedener Sinne, der Vergleich der Landschaft mit Bildern aus dem früheren Dorf (Position der umliegenden Hügel und der Bäume als Orientierung), die Beschreibung der Orte durch Erzählungen (vgl. Anhang).
  • An den Stellen liest jeweils ein*e deutsch- und ein tschechischsprachige*r Teilnehmer*in den dazugehörigen Text vor.

II.2.2 Vortrag mit Rundgang von Zdenek Procházka (11:00 – 12:30)

  • Herr Procházka führt durch das Gelände mit Stationen an der alten Brücke und der ehemaligen Glashütte, trägt Geschichten vor und beschreibt das Leben an der Grenze, veranschaulicht durch Bilder und Karten aus dem von ihm herausgegebenen Buch „Wanderungen durch die verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Walds. Die Geschichte von 50 verschwundenen Dörfern, Weilern und Einöden. I. Kreis Taus“
  • Die Teilnehmenden machen sich Notizen.
  • Diskussion während und nach der Führung.

II.3 Grenzlandbegegnung Poběžovice/Ronsperg

II.3.1 Schlossführung in Poběžovice (15:15 - 16:15)

  • Führung durch das Schloss Ronsperg in Poběžovice/Ronsperg durch Frau Dominika Adamcová vom Informations- und Kulturzentrum Poběžovice, dabei Begegnung mit der Geschichte der Familie Coudenhove-Kalergi, die auf dem Schloss in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts bis 1945 gelebt hat und sowohl eine wichtige Rolle in tschechisch-japanischen Beziehungen gespielt hat als auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts v.a. unter Heinrich sowie Richard Coudenhove-Calergi; letzterer war ein späterer Gründer der Paneuropa-Bewegung, in der Grundideen eines vereinigten Europas formuliert wurden.
  • Die Teilnehmenden machen sich Notizen dazu, was für sie persönlich wichtig ist.
  • Diskussion während und nach der Führung.

II.3.2 Eigene Stadterkundung in Gruppen (16:30 - 17:30)

  • In drei Gruppen aufgeteilt haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Ortskenntnis weiter zu vertiefen und dabei insbesondere mit Einheimischen in Kontakt zu kommen
  • Dazu gibt es drei Themenkreise, die als Impuls für die Orts-Recherche dienen können:
    1. Die Stadt Poběžovice – eine Stadt von Welt. Welche Bezüge gibt es zur Europäischen Union heute? Warum hat Poběžovice einen japanischen Garten?
    2. Menschen in Poběžovice – welche verschiedenen Einwohner*innen gab es früher und gibt es heute in Poběžovice? Gab es Grenzen zwischen den Menschen?
    3. Judentum in Poběžovice – Welche Beziehung hatten die Angehörigen der örtlichen jüdischen Gemeinde mit den anderen Einwohnern?
  • Als Möglichkeiten zur Informationsgewinnung werden vorgeschlagen: Interviews mit Passant*innen bzw. Einheimischen - die Untersuchung der mehrsprachigen Infotafeln - Untersuchung von Denkmälern in der Stadt - Nachfragen im Infozentrum.

II.4. Was ist noch da?

II.2.4.1 Sprachbegegnung mit dem Seminarraum (19:40 – 20:00)

  • Im Seminarraum läuft ruhige Musik („The Folk Project“) und die Leitung führt alle Teilnehmenden mit einer persönlicher Begrüßung in den Raum herein.
  • Die Teilnehmenden sind dazu eingeladen, sich einzeln frei im Raum zu bewegen und sich umzuschauen, was sich alles darin befindet, was sie um sich herum bemerken.
  • Die Leitung verteilt Klebezettel und Stifte mit denen die Teilnehmenden Gegenstände, Möbel, Körperteile, etc bekleben können. Die Beschriftung auf dem Zettel gibt wieder, worauf der Zettel klebt. Dabei muss die Bezeichnung nicht immer wortwörtlich sein: z.B. “Versteck” statt Vorhang.
  • Alle machen sich mit den Beschriftungen im Raum vertraut.
  • Dann nennt eine Person den Namen einer Sache, die beklebt wurde. Daraufhin müssen alle anderen sich möglichst schnell zu der Sache wenden und darauf zeigen. Der/die Langsamste sagt den nächsten Gegenstand an.

II.4.2 Einführung in čojč als Sprache und das Lied “Sag mir wo die Blumen sind” auf deutsch und auf tschechisch (20:00 – 21:00)

  • Die Gruppe sitzt im Kreis und singt das Lied “Sag mir, wo die Blumen sind“ auf Tschechisch („Řekni, kde ty kytky jsou“) a-capella.
  • Als nächstes folgt das Singen des Liedes auf Deutsch.
  • In deutsch-tschechischen Paaren wird die Aussprache des Liedtextes trainiert.
  • Das Lied wird durch Begleitung mit der Gitarre eingeübt.
  • Die Leitung lädt die Teilnehmenden dazu ein, darüber nachzudenken, was vom 'verschwundenen Dorf' tatsächlich geblieben ist. Diese Frage – „Was ist geblieben? Co zůstalo?“ – wird von der Leitung auf ein großes Papier geschrieben und in die Mitte des Kreises abgelegt. 
  • Die Teilnehmenden schreiben Antworten auf farbige Karten in beiden Sprachen, sprechen sie laut aus und legen sie an den Rand des Kreises. Antworten sind beispielsweise: „Bäume“, „Wege“, „Fluss“, „Erinnerungen“.
  • Danach stellt die Leitung den Teilnehmenden eine zweite, gegensätzliche Frage: „Was ist von Schwanenbrückl verschwunden?“ 
  • Erklärung und gemeinsame Diskussion der Sprache „čojč“.
  • „Verčojčen“ des Liedtextes in vier Kleingruppen mit anschließender Präsentation der čojč-Verse.

II.5 Tagesreflexion mit Schatztruhe

(21:00 – 21:10)

  • Alle Teilnehmenden schreiben für sich Gedanken, Erlebnisse, Eindrücke, Gefühle dieses Tages auf.
  • Diese werden zu Briefen gefaltet und in einer Truhe verwahrt, die erst zu Projektende geöffnet wird und als Erinnerungsstück mit nach Hause genommen werden kann.



III.2.1. Austausch – Was bedeutet für mich Kultur? (9:15 – 9:45)

  • Die Teilnehmenden teilen sich in vier deutsch-tschechisch gemischte Gruppen auf
  • Die Leitung stellt den Teilnehmenden die Frage: „Was bedeutet für dich Kultur? - Sammelt in eurer Gruppe verschiedene Assoziationen in Stichworten oder kurzen Sätzen. Denkt dabei gerne auch daran, was wir in den vergangenen zwei Tagen auf den Exkursionen alles kennengelernt haben.“
  • Die Teilnehmenden haben kleine Kärtchen sowie bunte Filzstifte zu Verfügung. Sie schreiben ihre Assoziationen auf die kleinen Kärtchen.
  • Die Ergebnisse werden an die Tafel gehängt: In der Mitte das Wort “Kultura”, im Kreis herum die einzelnen Kärtchen der Teilnehmenden.
  • Nach kurzer Sichtung der Ergebnisse der anderen Gruppen folgt eine Ein-Minuten- Präsentation jeder Gruppe, in der vorgestellt wird, was ihnen besonders wichtig ist.

III.3 Theaterpädagogische Animation

III.3.2 Einteilung in Gruppen – ohne Worte  (18:15 – 18:20)

  • Die Teilnehmenden stehen im Kreis mit geschlossenen Augen 
  • Die Leitung klebt jedem Teilnehmenden einen kleinen Zettel mit Papierzeichen mit einem von vier geometrischen Formen auf die Stirn (Kreis, Dreieck, Quadrat, Rechteck).
  • Ab jetzt gilt Sprechverbot. Die Leitung gibt folgende Aufgabe: „Finde deine Gruppe.“ Die Teilnehmenden dürfen nun ihre Augen öffnen und sollen ihre Gruppe danach finden, wer welches Zeichen auf der Stirn erhalten hat.

III.3.3 Szenen in drei Worten (18:20 – 18:45)

  • Die Leitung gibt folgende Aufgabe: „Findet im Raum einen Platz für euch. Wir sind gestern und heute Nachmittag der Stadt Poběžovice/Ronsperg und der Geschichte des Grafen 'Hansi' Coudenhove-Calergi begegnet. Außerdem haben wir seitdem einiges darüber erfahren, wie Menschen aus der jüdischen Gemeinde in der Stadt und in der Region gelebt haben. Und was die Menschen im Jahr 1938 bewegt hat. Jeder schreibt nun in der Gruppe auf kleine Kärtchen maximal drei Stichworte auf, mit denen ihr besonders viel verbindet, zu denen ihr konkrete Vorstellungen habt. Geschichten, die hängen geblieben sind, Situationen, die ihr spannend findet.“ 
  • „Wählt drei dieser Stichworte aus. Wir wollen diese lebendig sehen, also als kleine Szene zum Beispiel. “

3.3.5 Präsentation der Szenen in drei Worten (19:50 – 20:15)

  • Der Raum wird mit Hilfe eines Seiles in zwei Hälften geteilt. Die Leitung sagt: „Hier sind die Zuschauer, hier ist die Bühne.“
  • Es präsentieren die einzelnen Gruppen. Die Zuschauenden versuchen zu erraten, welche drei Wörter als Material benutzt wurden. Danach wird die Frage gestellt „Wie würdet ihr die Szene benennen?“ und seitens der Zuschauenden Ideen gesammelt. Nach einer Weile werden die Spielenden gefragt: „Welcher Vorschlag gefällt euch am Besten? Falls euch keiner zu 100% gefällt, dürft ihr einen Vorschlag erweitern oder verändern.”

IV.3 Grenzlandkultur 1938 revisited

IV.3.1 Achtsamkeitsübung mit Ball (11:30 – 11:45)

  • Die Gruppe steht im Kreis.
  • Es wird ein Ball zu einer anderen Person geworfen. Bei Abwurf des Balles wird der Name dieser Person ausgesprochen.
  • Sobald jeder einmal angesprochen bzw. angeworfen wurde, gilt eine neue Regel: Es werden zwei Namen ausgesprochen. Die zuerst angeworfene Person wirft den Ball weiter zur zweiten. Erst die zweite Person nennt wieder zwei neue Namen.
  • Zwischendurch unterbricht die Leitung den Prozess kurz und macht den Teilnehmenden folgendes bewusst: „Es geht nicht um Schnelligkeit. Konzentriert euch eher darauf, gemeinsam einen gleichmäßigen Rhythmus zu erreichen. Sprecht den Namen und seid dabei in Augenkontakt zueinander. Trennt nicht das Werfen vom Sprechen, sondern lasst es zu einem gemeinsamen Impuls verschmelzen. Spürt auch in die Energie des Fangens hinein und lasst es einen gemeinsamen Atemzug zusammen mit dem Werfen werden.
  • In einer dritten Phase werden drei Namen genannt und erst die letzte Person nennt wieder drei Namen.
  • Die Leitung sammelt den Ball zum Schluss ein, sobald er zu ihr gelangt, und schließt mit folgender Anweisung ab: „Nimm zum Schluss wahr, wer alles im Kreis steht“. 

IV.3.2 Lied „Žádný neví, co jsou Domažlice“ (11:45 – 12:00)

  • Das tschechische Volkslied „Žádný neví, co jsou Domažlice“ wird im Kreis eingeübt. Zunächst unbegleitetes Vor- und Nachsingen einzelner Teile des Liedes, dann das ganze Lied mit Gitarrenbegleitung.
  • Im Plenum wird der Text des Liedes durch die Teilnehmenden sinngemäß ins Deutsche übersetzt. 
  • Die Leitung spricht das Thema der deutsch-tschechischen Zweisprachigkeit von Ortsnamen in Tschechien, insbesondere im Grenzland, durch Fragen gelenkt, an. Es wird geklärt, dass wir  uns im Nachbarlandkreis des Ortes Domažlice befinden – also ganz in der Nähe der Stadt, um deren Namen es im Lied geht.

(Sinngemäße Übersetzung des Liedes ins Deutsche: Niemand weiss, was Domažlice ist / Niemand weiss, was Taus ist / Taus, das ist Deutsch,  Domažlice Tschechisch / Niemand weiss, wo Taus ist.)

IV.3.3 Orientierung in historischen Karten (12:00 – 12:20)

  • Aufgeteilt in vier deutsch-tschechisch gemischten Gruppen erhalten die Teilnehmenden eine   Karte, auf der Ortsnamen ausschließlich in deutscher Sprache bezeichnet sind. Sie trägt den Titel „Böhmen 1913“. Sie umfasst den Raum des Grenzlandes zwischen der Oberpfalz und Südwestböhmen, genauer zwischen Weiden im Westen fast bis Pilsen im Osten, mit dem Grenzgebiet in der Mitte. Dabei ist die heutige Grenze nur wenig deutlich als solche erkennbar.
  • Die Leitung stellt folgende Aufgabe: „Markiere auf der Karte diejenigen Orte, die du schon kennst, beispielsweise die wir gemeinsam kennengelernt haben.“ Nach einer Weile folgt: „Überlegt gemeinsam: Was ist an dieser Karte anders? Was wäre in einer heutigen enthalten, was anders bezeichnet?“
  • Nach einer Weile erhalten die Gruppen eine zweisprachige Karte von Südwestböhmen und dem angrenzenden Bayern aus dem Jahr 1991 als Hilfsmittel und Vergleich.
  • Die Leitung stellt folgende Aufgabe: „Schreibt eure Beobachtungen als Fragen auf. Notiert auch offene Fragen.“

IV.3.4 Diskussion und Präsentation: „Was wurde aus der ‘Grenzlandkultur’?“ (12:20 – 12:45)

  • Nach einer Weile kommt die Gruppe kommt im großen Kreis zusammen. Die Leitung stellt die Frage: “Wo in der Karte befinden wir uns? Wie kann man diese Region benennen? Welche Möglichkeiten gibt es dafür?”
  • Unter den Äußerungen der Gruppe fällt der Begriff „Grenzland“. Die Leitung schreibt den Begriff auf. Die Bedeutung des Begriffs wird in beiden Sprachen im Plenum diskutiert (im Tschechischen wird der Begriff sowohl durch „Při- als auch durch das teils geläufigere pohraniční kultura“ wiedergegeben).
  • Die Leitung schreibt den Begriff „Grenzlandkultur“ auf und stellt die Frage: „Was ist verschwunden – und was ist geblieben: in der „Grenzlandkultur“ bis 1938, vor dem Krieg?” Geht wieder in den Gruppen von gestern der Frage nach „Was bedeutet für mich Kultur?“„Co je to kultura?“ macht unter den Kärtchen an der Tafel zu „Kultur“ jeweils ein kleines Zeichen – Kreuzchen oder Häkchen –, ob dieses Element von „Kultur“ bzw. der „Grenzlandkultur“ aus eurer Sicht geblieben oder verschwunden ist.“ 
  • Eine der Gruppen steht der Bezeichnungsweise kritisch gegenüber und erfindet ein neues Zeichen – eine Welle – für dasjenige, was sich nicht eindeutig zuordnen lässt bzw. sich verändert hat.
  • Danach gibt die Leitung fünf Minuten Zeit, um als Gruppe eine kurze Präsentation vorzubereiten. Die Präsentation soll auf die Frage „Was wurde aus der ‘Grenzlandkultur’?“ antworten, und zwar dadurch, dass die getroffenen Entscheidungen begründet und die Begründungen vorgetragen werden.

IV.6 Sabbatfeier in Schwanenbrückl (20:00-21:00)

Leitung dieser Einheit durch Tabea Bartsch

  • Die Leitung: „Jeden Freitag hörte man in Schwanenbrückl von der Straße aus bei Familie Getreuer besondere Gesänge, so heißt es. Was hat es damit auf sich? Wir werden heute – ganz praktisch – etwas mehr darüber erfahren, was dies möglicherweise gewesen sein könnte.“
  • „Ich bitte dich, dass du dir ein Seil aus der Mitte nimmst und damit einen Kreis legst. Alle eure Kreise sollten gemeinsam wieder einen großen Kreis bilden. Danach nimmst du dir ein Blatt, schreibst auf die Vorderseite deinen Namen, auf die Rückseite malst du ein kleines Bild/Skizze von einem Gedanken, der dich heute bewegt hat. Lege das Blatt in deinen Kreis mit dem Namen nach oben. Wenn du damit fertig bist, gehe durch den Raum ohne die Kreise zu betreten mit Ausnahme deines eigenen.“ Klezmer-Musik wird gespielt.
  • „Gehe weiterhin zur Musik durch den Raum. Jetzt darfst du eine Person aussuchen, in deinen Seilkreis einladen und ihr von dem erzählen, was dich heute bewegt hat. Danach tauscht oder such dir eine neue Person.”
  • Während der Aktion wurde in die Mitte ein weiterer Kreis mit Seilen und einem Davidstern in der Mitte  gelegt. Die Leitung fordert die Teilnehmenden auf, in den neuen Seilkreis zu kommen, indem sie jeder/m ein Seil aus der Mitte gibt, das hinter sich gelegt werden soll, sodass ein großer Kreis um alle Teilnehmer*innen entsteht
  • Die  Leitung grüßt mit „Shalom!“ und einem Händeschütteln einen Teilnehmer, alle anderen machen mit, so dass jeder jeden grüßt.
  • Die Gruppe findet im Kreis zusammen. Es wird im Kreis geschritten, dabei die Wochentage im Rhythmus gesprochen, angefangen mit „Sonntag“, als letztes „Sabbat“ zuerst auf deutsch, dann auf tschechisch, dann nochmals auf deutsch. 
  • Leitung: „Kann jemand den Abendstern sehen?“ Die Leitung rennt zum Fenster. Die Teilnehmenden hinterher. „Es ist noch gar kein Stern zu sehen! Dann haben wir noch Zeit den Sabbat vorzubereiten! Lasst uns den Sabbat vorbereiten!“
  • Die Leitung initiiert eine pantomimische Darstellung von Tätigkeiten, die der Vorbereitung dienen. Jeder Teilnehme probiert reihum eine eigene. In zwei Runden.
  • Dann:  „Haben wir an alles gedacht? Ist alles vorbereitet? Ja! Aber wir sind noch nicht bereit! Uns fehlt noch etwas!“
  • Die  Leitung reicht eine Tischdecke und bittet, sie auf den Boden zu legen, dazu Becher und einen großen Krug mit Traubensaft, zwei Kerzenleuchter, Sabbatbrot, Decke zum Zudecken, Karten mit Gebeten/Segen, Streichhölzer.
  • Die Leitung reicht einen Korb mit Chiffontüchern und Kippas herum. Daraus nehmen sich die Mädchen Tücher, Jungen die Kippa, die Leitung fordert die Teilnehmenden nonverbal dazu auf, sich für den Sabbat zu kleiden.
  • Der Segenswunsch „Schabat Shalom“ wird, durch die Leitung initiiert, im Kreis herumgegeben.
  • Zwei weibliche (deutsch/tschech.) Teilnehmerinnen zünden die Kerzen an und sprechen danach den Lichtersegen. Dann sprechen zwei männliche Teilnehmer den  aaronitischen Segen auf deutsch und tschechisch. Die beiden männlichen Teilnehmer teilen Saft und Brot aus. Das Brot wird von ihnen in Stücke gebrochen und dann gereicht.
  • Nach dem Essen: gemeinsames Singen (mit Gitarrenbegleitung) und anschließender Tanz des Liedes „Hevenu shalom alechem“.
  • Gemeinsames Abräumen des „Esstisches“.
  • Die Teilnehmenden stellen Fragen zur Sabbatfeier.
  • Die Kerze wird ausgeblasen und Stille und Dunkelheit wirken noch für eine Weile nach.
  • Alle Teilnehmenden nehmen die Seile vom Anfang wieder auf und legen sie mithilfe der Leitung zurück zu einem kleinen Kreis mit Davidstern.

V.2 Präsentation der Vorbereitungsaufgabe „Grenze“ (9:15 – 10:15)

  • Vor Beginn des Projekts bearbeitete jede*r Teilnehmende eine Vorbereitungsaufgabe (siehe unten) und  reichte sie der Leitung per Email ein.
  • Die Leitung legt einen Ausdruck der eingereichten bearbeiteten Aufgaben in die Mitte des Raumes auf den Boden verteilt, und bittet die Teilnehmenden, sich das Eigene zu nehmen und an eine passende, einsehbare Stelle im Raum mithilfe von Klebestreifen aufzuhängen.
  • Alle Teilnehmenden bekommen nun die Möglichkeit, ein Post-it-Klebezettel zu nehmen und ihren Kommentar als Wertschätzung der Arbeiten der Anderen bei den aufgehängten Arbeiten anzubringen.
  • Nach dem Lesen und Kommentieren haben die Teilnehmenden kurz Zeit, sich auf eine 1-Minuten-Präsentation zu ihrer Arbeit vorzubereiten. Die Schlüsselfragen für die Gestaltung ihres Vortrages sind dabei: „Worauf ist es mir bei meiner Ausarbeitung besonders angekommen?“ und „Was möchte ich den Anderen noch darüber mitteilen?“
  • Es werden die 1-Minuten-Präsentationen mit jeweils anschließender Übersetzung durchgeführt.
  • Die Vorbereitungsaufgabe lautete folgendermaßen:

 

Es sind drei Fragen, die wir für Dich hätten.

Wir möchten Dich dazu einladen, diese im Laufe der nächsten Zeit gerne in einer - oder mehreren - von drei möglichen Formen zu beantworten.

Abgabetermin ist der 01. Juli.

Die FRAGEN :

  • Was sind/bedeutet für dich "Grenze" bzw. "Grenzen"?
  • Welche Arten von Grenzen gibt es / kennst du?
  • Was kann man mit Grenzen machen?

Wie Du darauf ANTWORTEN kannst:

  • Mache ein Foto von Dir, indem du Deine Antwort mit Körpersprache zeigt
  • Mache draußen ein Foto (ohne Person), das für Dich die Antwort darstellt
  • Schreibe einen kurzen Text darüber (egal in welcher Form, in deutsch, český oder čojč, einfach drauf los, was Dir spontan einfällt oder als Gedicht, alles ist möglich)

VI.2 čojč companion bzw. zur Projektdokumentation 

mit Iva Ellrodt und Regina Gottschalk, geb. Getreuer 

 

VI.2.2 Gruppenarbeit – „Fakten über Schwanenbrückl“ und „Schwanenbrückl in der Zukunft“ (16:15 – 17:15)

  • Die Teilnehmenden diskutieren mit Frau Gottschalk und stellen nach der Lektüre noch offen gebliebene oder vertiefende Fragen über das Leben im Dorf Schwanenbrückl sowie zur jüdischen Familie, der Familie Getreuer, mit der Frau Gottschalk verwandt ist.
  • Die Teilnehmenden teilen sich in Gruppen auf. Eine der Gruppen sammelt 10 spannende Fakten über das Dorf Schwanenbrückl. Die andere Gruppe erarbeitet eine Vision dessen, wie Schwanenbrückl heute bzw. in der Zukunft aussehen könnte. Die Teilnehmenden erfinden Einrichtungen wie ein deutsch-tschechisches Begegnungszentrum, eine Bio-Ferienanlage …

 

Wie ging es weiter? oder: was geschah sonst noch im Projekt?  

Antworten finden sich hier: https://www.cojc-companion.eu/    https://metodika.cojc.eu/

NÄCHSTES PROJEKT

Generace Müll

Generace Müll?
27.08.-05.09.2021
Cheb und Wunsiedel

Auf unserem Projekt stellen wir uns die Frage: sind wir nun die “Generation Müll” oder nicht? Und gibt es überhaupt einen “Schuldigen”?

NÄCHSTE AKTION

Čojč Pädagogika

Čojč Pädagogika
11. - 14.03.2021
Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen

Ich - Wir - Diversität: Wege in eine demokratische Jugendgruppe

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